LEBENSBERICHTE

Mitarbeiter stellen sich vor ...

 

Wir, die Mitarbeiter der Gefährdetenhilfe (das sind Christen mit verschiedenen Berufen, aus unterschiedlichen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften), möchten ein wenig "aufwärmen". Es gibt überall zuviel Kälte und Verlorensein. Außerdem wollen wir - wie man im Sport sagt - "Hilfestellung" geben. Grundlage für unser Engagement ist unsere persönliche Erfahrung mit der Liebe Gottes, die auch die Straffälligen nicht auslässt und dass Jesus Christus ein sinnvolles Leben geben kann.

 

Einige Mitarbeiter persönlich vorgestellt:

Eddi - Freiwillig in den Knast??!!


Es ist Sommer 2003. Ich stehe vor ca. 50 jungen Gefangenen in der Kirche der JVA Iserlohn. Mein erster Satz lässt alle sofort mucksmäuschenstill werden: "Vor 11 Jahren saß ich selbst da, wo ihr jetzt sitzt." Und dann erzähl' ich von meiner Haftzeit, der vorausgegangenen Drogenkarriere und Kriminalität.

Ich erzähle auch von meiner Suche nach dem Leben und der Liebe. Im Knast begegnet mir der lebendige Gott beim Lesen einer Bibel. Schlagartig realisiere ich, dass Jesus die Wahrheit ist und eigentlich das - oder besser der - den ich mein Leben lang gesucht hatte und der so anders ist, als das was ich bei so manchen Christen gesehen hatte. In der JVA Iserlohn lernte ich die GFH Wegbegleitung kennen. Mich beeindruckte ihr Engagement, sprich die Zeit, die sie in die Gefangenen investierten - auch über die wöchentliche Kontaktgruppe hinaus. Die Gefangenen spüren: Man mag über den Glauben denken was man will, aber die meinen es ernst, die sind echt. Was mir auch besonders auffiel, war die Bandbreite an Christen, die da immer anmarschiert kam. Der Leiter war nicht auf einen "Club" beschränkt, sondern bemüht, alle möglichen Christen für diese Arbeit ins Boot zu holen.

Heute bin ich seit über 13 Jahren drogenfrei, nie wieder straffällig geworden, bin verheiratet und lebe mit ca. 30 Drogensüchtigen in einer Langzeittherapie zusammen. Schon oft wurde ich vom Leiter der GFH Wegbegleitung Hans-Martin Koch in verschiedene Knäste eingeladen, um von meinem Leben zu erzählen und wie Jesus alles neu machen kann.

Es ist tatsächlich so: Ich gehe immer wieder gerne freiwillig in den Knast.


Lass dir helfen! Bleib mit deinen Fragen nicht allein. ...

Warum Peter in den Knast geht …


Wer sich freitags nachmittags freiwillig eine Stunde auf der A1 durch den Stau von Wuppertal bis Schwerte quält, braucht einen Arzt oder muss dafür einen richtig guten Grund haben. Wir machen das jede Woche. Und ich soll jetzt erklären, was unser richtig guter Grund ist und warum wir keinen Arzt brauchen. Na dann.

Hätte mir vor sieben Jahren irgendjemand erzählt, dass ich einmal Knackis besuchen würde, hätte ich lauthals gelacht. Ich war der Meinung, dass die Menschen im Gefängnis schon irgendetwas falsch gemacht haben werden und deshalb ihre gerechte Strafe absitzen. Wer Ärger macht, muss bestraft werden – und zwar richtig. Ganz einfache Sache.

Dann kam jener Sonntag, an dem ich ein Team des Kurswechsels zu einem Gefängnisgottesdienst begleitet habe. Ich glaube nicht, dass irgendetwas anderes mein Leben bisher so auf den Kopf gestellt hat. Auf einmal stand ich Gefangenen persönlich gegenüber, konnte ihnen in die Augen schauen und mit ihnen reden. Ich erkannte, dass Gott diese Jungs liebt, dass diese Jungs Probleme haben und ich den ersten Schritt zur Lösung weiß. Aus anonymen Gefangenen wurden Jungs, an die ich ziemlich sofort mein Herz verloren habe.

Seitdem bin ich regelmäßig zu den verschiedensten Anlässen im Knast unterwegs. Freitags haben wir unsere Kontaktgruppe, in der wir uns nach einem evangelistischen Programm viel Zeit für Beziehungsarbeit nehmen. Dienstags bieten wir einen Kreis an, bei dem der Schwerpunkt eher auf der Bibelarbeit liegt. Nebenher gibt es noch die Möglichkeiten zur Einzelbetreuung und der Begleitung bei Ausgängen und Urlauben. Neben vielen Rückschlägen und Enttäuschungen erleben wir immer wieder das Handeln Gottes. Dabei kann ich gar nicht so genau sagen, an wem Gott mehr handelt – ob an uns oder an den Jungs. Es ist jedenfalls der absolute Knaller, wenn man miterleben darf, wie junge Kerle zu Gott umkehren und langsam anfangen, ihr Leben zu ändern. Oft passiert das nicht. Oft folgt dem Anfang ein ebenso schnelles wie jähes Ende. Es scheint nicht besonders effizient zu sein. Aber einige schaffen es. Und diese Menschen sind der Grund, warum wir keinen Arzt brauchen, obwohl wir uns jede Woche aufs Neue in den Stau stellen.

P.S.: Wer gerne mit uns gemeinsam im Stau stehen möchte kann sich ja mal melden!


Meld dich mal bei uns! Wir freuen uns über deine Resonanz.

Gefährdetenhilfe Wegbegleitung e. V.

Die Gefährdetenhilfe Wegbegleitung e. V. ist Mitglied der
Gefährdetenhilfestiftung für internationale diakonische Straffälligenhilfe

und begleitet Fileo, eine polnische Gefährdetenhilfe.

 

© 2016 Gefährdetenhilfe Wegbegleitung e.V.